Wer sich mit Champagner beschäftigt, begegnet schnell zwei Begriffen: Méthode Champenoise und Méthode Traditionnelle. Beide beschreiben dasselbe Herstellungsverfahren – die klassische Flaschengärung. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Herkunft. Die Bezeichnung Méthode Champenoise darf heute nur noch für Schaumweine aus der französischen Champagne verwendet werden und ist gesetzlich geschützt. Produzenten außerhalb der Champagne nutzen deshalb die Bezeichnung Méthode Traditionnelle oder Traditionelle Flaschengärung. Nach diesem Verfahren entstehen unter anderem auch hochwertige Crémants, Cavas und viele deutsche Winzersekte. Das Verfahren ist nahezu identisch – Unterschiede ergeben sich vor allem durch Herkunft, Rebsorten, Klima und die jeweiligen Qualitätsvorschriften.
Der Grundwein und das Assemblage
Jeder Champagner beginnt als stiller Wein ohne Kohlensäure. Die klassischen Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier werden zunächst getrennt ausgebaut. Anschließend entscheidet der Kellermeister über das Assemblage – das kunstvolle Vermählen verschiedener Grundweine aus unterschiedlichen Rebsorten, Lagen oder Jahrgängen. Dieses Zusammenspiel verleiht jedem Champagnerhaus seinen unverwechselbaren Stil und sorgt dafür, dass die Qualität über viele Jahre hinweg konstant bleibt.
Die zweite Gärung – Liqueur de Tirage und Prise de Mousse
Nach dem Assemblage wird die Liqueur de Tirage hinzugefügt – eine Mischung aus Wein, Zucker und Hefe. Danach wird die Flasche verschlossen und die zweite Gärung beginnt direkt in der Flasche. Dieser Schritt wird Prise de Mousse genannt. Die entstehende Kohlensäure kann nicht entweichen und löst sich vollständig im Wein. So entstehen die feinen, lang anhaltenden Perlen, die hochwertige Schaumweine aus traditioneller Flaschengärung auszeichnen.
Reifung sur lie – der Schlüssel zur Komplexität
Nach der zweiten Gärung reift der Champagner sur lie, also auf der Hefe. Während dieser oft mehrere Jahre dauernden Lagerung zerfallen die Hefezellen langsam – ein natürlicher Prozess, der als Autolyse bezeichnet wird. Dabei entstehen die typischen Aromen von Brioche, geröstetem Brot, Haselnüssen und feinem Gebäck. Gleichzeitig wird die Perlage feiner und die Textur cremiger. Gerade diese lange Hefelagerung unterscheidet hochwertige Champagner und viele Premium-Schaumweine von einfacheren Produkten.
Vom Remuage bis zum Dégorgement
Nach der Reifung werden die Flaschen nach und nach gedreht und immer steiler gestellt. Dieser Arbeitsschritt heißt Remuage und sorgt dafür, dass sich alle Hefepartikel im Flaschenhals sammeln. Anschließend folgt das Dégorgement. Dabei wird der Flaschenhals eingefroren und der entstandene Hefepfropfen durch den natürlichen Innendruck aus der Flasche ausgestoßen. Erst danach präsentiert sich der Champagner klar, brillant und bereit für den letzten Produktionsschritt.
Die Dosage – von Brut Nature bis Demi-Sec
Nach dem Dégorgement wird die fehlende Flüssigkeit mit der Liqueur d’Expédition ergänzt. Dieser Vorgang wird als Dosage bezeichnet und bestimmt den späteren Süßegrad des Schaumweins.
Die wichtigsten Bezeichnungen sind:
Brut Nature – nahezu kein zugesetzter Zucker, sehr trocken und puristisch.
Extra Brut – ebenfalls sehr trocken, mit nur minimaler Restsüße.
Brut – der weltweit beliebteste Stil mit frischer Säure und ausgewogener Frucht.
Extra Dry – trotz des Namens bereits etwas weicher und leicht fruchtbetont.
Sec – deutlich milder und mit spürbarer Süße.
Demi-Sec – süßlicher Stil, der hervorragend zu Desserts oder kräftigem Blauschimmelkäse passt.
Der Begriff Brut beschreibt also nicht die Herstellungsweise, sondern ausschließlich den Restzuckergehalt nach der Dosage.
Traditionelle Flaschengärung oder Tankgärung?
Die Méthode Traditionnelle steht für Eleganz, feine Perlage und komplexe Reifearomen. Dem gegenüber steht die Charmat-Methode, auch Metodo Martinotti genannt. Hier findet die zweite Gärung nicht in der Flasche, sondern in großen Edelstahltanks statt. Diese Methode bewahrt die frischen und fruchtigen Aromen besonders gut und wird unter anderem für viele Prosecco verwendet.
Keine der beiden Methoden ist grundsätzlich besser. Die traditionelle Flaschengärung bringt meist mehr Tiefe und Komplexität hervor, während die Tankgärung für Frische, Leichtigkeit und eine ausgeprägte Frucht steht. Welche Stilrichtung die bessere ist, entscheidet letztlich der persönliche Geschmack und der Anlass.
Welche Serviertemperatur ist ideal?
Champagner und hochwertige Schaumweine entfalten ihre Aromen am besten bei einer Temperatur von etwa 8 bis 10 °C. Ein modernes Champagner- oder Weißweinglas bietet den feinen Duftnoten deutlich mehr Raum als eine klassische, schmale Flöte und bringt sowohl Frucht als auch Reifearomen besser zur Geltung.
Die Herstellung hochwertiger Schaumweine verbindet jahrhundertealte Handwerkskunst mit modernem Kellerwissen. Ob Champagner aus der französischen Champagne oder ein Crémant, Cava oder deutscher Winzersekt nach der Méthode Traditionnelle – ebenso wie fruchtbetonte Schaumweine aus der Charmat-Methode – jede Herstellungsweise besitzt ihren eigenen Charakter und trägt dazu bei, die faszinierende Vielfalt der Schaumweinwelt zu prägen.
Nachfolgend finden Sie eine Auswahl hochwertiger Schaumweine aus beiden Herstellungsverfahren – von traditionell flaschenvergorenen Spezialitäten bis hin zu frischen und fruchtigen Schaumweinen aus der Tankgärung.
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