Beim Grillen landet längst nicht mehr nur Steak und Bratwurst auf dem Rost. Rindfleisch, Schwein, Geflügel, Fisch und Gemüse bringen völlig unterschiedliche Aromen mit – und verlangen deshalb auch nach unterschiedlichen Weinen. Entscheidend ist nicht der Grill selbst, sondern was darauf liegt und wie kräftig Röstaromen, Gewürze, Marinaden und Saucen ausfallen.
Grundsätzlich darf ein Wein zum Grillen etwas mehr Frucht und Charakter mitbringen. Intensive Röstaromen können sehr feine Weine schnell überdecken, während Frische gerade an warmen Tagen besonders wichtig bleibt.
Warum schmeckt Wein zu Gegrilltem anders?
Beim Grillen entstehen durch die hohe Hitze intensive Röstaromen. Holzkohle und Rauch können zusätzlich würzige und leicht rauchige Noten ins Spiel bringen. Dadurch schmeckt dasselbe Stück Fleisch vom Grill anders als aus Pfanne oder Ofen.
Je kräftiger diese Aromen werden, desto mehr Struktur darf auch der Wein besitzen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Rotwein immer die beste Wahl ist. Zu gegrilltem Fisch, Geflügel oder Gemüse kann ein frischer Weißwein oder Rosé deutlich besser funktionieren.
Auch Marinaden und Saucen spielen eine wichtige Rolle. Süße BBQ-Sauce, Chili, Knoblauch oder kräftige Kräuter können die Weinwahl stärker beeinflussen als das Grillgut selbst.
Welcher Rotwein passt zum Grillen?
Bei Rindfleisch, Steak, Lamm und kräftig gewürztem Schweinefleisch ist Rotwein häufig die naheliegendste Wahl.
Cabernet Sauvignon, Syrah oder Tempranillo bringen genügend Struktur und Würze für intensive Röstaromen mit. Ein fruchtbetonter Primitivo funktioniert besonders gut, wenn Marinaden, BBQ-Sauce oder leicht süßliche Gewürze ins Spiel kommen.
Zu einem stark marmorierten Steak darf der Wein kräftiger und tanninreicher sein. Bei leichterem Schweinefleisch oder Würstchen ist dagegen häufig ein weicherer, fruchtiger Rotwein angenehmer als ein sehr tanninbetonter Cabernet.
Wer genauer wissen möchte, wie Fleischstück, Fett und Röstaromen die Auswahl beeinflussen, findet dazu weitere Hinweise in unserem Beitrag über den passenden Rotwein zum Steak.
Welcher Weißwein passt zum Grillen?
Weißwein wird beim Grillen häufig unterschätzt.
Gegrillter Fisch, Garnelen und helles Geflügel passen hervorragend zu frischen, trockenen Weißweinen. Sauvignon Blanc bringt viel Frische und eignet sich besonders zu Fisch, Kräutern und Gemüse. Riesling kann durch seine Säure gut mit würzigen Marinaden umgehen, während ein Chardonnay mehr Körper für kräftiger gegrilltes Geflügel oder Fisch mit cremigen Beilagen mitbringt.
Wichtig ist, dass der Weißwein nicht zu leicht ausfällt. Ein sehr filigraner Wein kann neben kräftigen Rauch- und Röstaromen schnell verschwinden.
Und Rosé?
Rosé ist beim Grillen weit mehr als nur ein Sommerwein.
Ein trockener Rosé verbindet die Frische eines Weißweins mit etwas mehr Frucht und Struktur. Dadurch ist er besonders vielseitig und funktioniert zu Geflügel, Schweinefleisch, Gemüse, Salaten und vielen mediterranen Grillgerichten.
Gerade wenn mehrere unterschiedliche Dinge gleichzeitig auf dem Grill liegen, kann Rosé deshalb eine unkomplizierte Lösung für den ganzen Tisch sein.
Welcher Wein passt zu welchem Grillgut?
Zu einem kräftigen Rindersteak passen strukturierte Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Syrah oder Tempranillo. Je stärker die Marmorierung und Röstaromen, desto mehr Körper darf der Wein besitzen.
Bei Schweinefleisch und Bratwurst kommt es stärker auf Würzung und Marinade an. Fruchtige Rotweine wie Primitivo oder ein nicht zu schwerer Merlot funktionieren häufig gut, während ein trockener Rosé eine frischere Alternative bietet.
Geflügel ist deutlich vielseitiger. Bei einer leichten Kräutermarinade sind Chardonnay, Sauvignon Blanc oder Rosé interessant. Wird das Fleisch kräftig gewürzt oder mit BBQ-Sauce serviert, darf auch ein fruchtiger Rotwein ins Glas.
Gegrillter Fisch verlangt meist nach Weißwein. Sauvignon Blanc, Riesling oder ein frischer Chardonnay bringen genügend Säure mit, ohne die feineren Aromen des Fisches zu überdecken.
Bei Grillgemüse entscheiden vor allem Würzung und Beilagen. Paprika, Zucchini, Aubergine und Pilze können sowohl mit Weißwein und Rosé als auch mit einem leichteren Rotwein funktionieren.
Was ist mit BBQ-Sauce und Marinaden?
Hier liegt einer der häufigsten Fehler bei der Weinwahl zum Grillen: Nur das Fleisch wird berücksichtigt.
Eine süßliche BBQ-Sauce kann einen sehr trockenen und tanninreichen Rotwein schnell härter wirken lassen. Fruchtbetonte Weine wie Primitivo oder Grenache kommen mit etwas Süße häufig besser zurecht.
Bei scharfen Marinaden sollte man mit hohem Alkoholgehalt und kräftigen Tanninen vorsichtig sein, da beides die Schärfe verstärken kann. Frucht, Frische und moderate Struktur sind hier oft die bessere Kombination.
Kräuter, Zitrone und Knoblauch passen dagegen hervorragend zu frischen Weißweinen oder trockenen Rosés.
Die richtige Temperatur beim Grillen
An einem warmen Grillabend wird Rotwein schnell zu warm. Kräftigere Rotweine schmecken meist bei ungefähr 16 bis 18 Grad ausgewogener als bei sommerlicher Außentemperatur.
Es ist deshalb völlig in Ordnung, Rotwein vor dem Servieren etwas zu kühlen.
Weißwein und Rosé dürfen deutlich kühler ins Glas, sollten aber ebenfalls nicht eiskalt serviert werden. Zu niedrige Temperaturen verdecken Frucht und Aroma.
Am Ende gibt es deshalb nicht den einen perfekten Wein zum Grillen. Ein Ribeye vom Holzkohlegrill stellt andere Anforderungen als Garnelen, Hähnchen oder gegrillte Zucchini. Wer Grillgut, Röstaromen, Marinade und Sauce gemeinsam betrachtet, findet wesentlich leichter den passenden Wein.
„Nicht der Grill entscheidet über den Wein, sondern das, was darauf liegt. Fleisch, Fisch, Gemüse und Marinaden verlangen nach ganz unterschiedlichen Begleitern“
„Kräftige Röstaromen vertragen mehr Struktur – doch gerade beim Grillen können ein frischer Weißwein oder Rosé genauso spannend sein wie Rotwein“
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